Im Gespräch mit Kirsten Brühl, 13. Juli 2017

Lange habe ich mir vorgestellt, wie das sein würde - mein erster Salontalk. Eine Veranstaltung, die einzig in meinen Händen liegt. Ein Gespräch, das ich komplett frei gestalten kann. Keine große Bühne. Und eine überschaubare Zahl von Menschen, die gekommen sind, um mitzureden und sich inspirieren zu lassen. Was soll ich sagen: Toll war's!

Mein Premierengast: Kirsten Brühl - Beraterin, Rednerin, Coach und ja, auch Zukunftsforscherin. Ich habe nicht den Anspruch, unser Gespräch im Einzelnen wiederzugeben. Hier ein paar Inspirationen:

Zukunftsforschung heute: Dem Noch-Nicht-Gesagten eine Form geben. Angesichts einer heute mehr denn je "relativen Zukunft" kann es nicht um Vorhersagen gehen, wie vielleicht noch in den 1990er Jahren. Vielmehr geht es aus Sicht von Kirsten Brühl vor allem darum, "leckere Zukunftsbilder zu entwerfen" - große Bilder, die in der Lage sind, eine  - individuelle und gesellschaftliche - Zugkraft zu entwickeln. Diese Bilder sind natürlich keine normativ geprägte Eigenkreation, sondern entstehen durch Datenanalysen und Mustererkennung, aus der Beobachtung und im Gespräch - nicht in der eigenen Blase, sondern gerade durch die Verbindung von sehr unterschiedlichen Perspektiven. Es geht darum, dem Noch-Nicht-Gesagtem Worte und damit eine Form, ein Bild, zu geben. 

Transformation heißt: unser Weltbild auf eine neue Logik umstellen. Sicherlich entstehen völlig neue technische Möglichkeiten, aber die entscheidende Veränderung ist: Wir bekommen durch Vernetzung ganz andere Strukturen, neue Dynamiken und Aufschaukelungsbewegungen. Wir müssen unser Weltbild umstellen, denn: wir können nicht mehr steuern wie bisher. Das führt zu einer neuen Logik, die über das Betrachten der technischen Entwicklung hinausführt. Dabei besteht die Gefahr, dass die Gesellschaft zerfällt, in diejenigen, die Lust daran haben, zu entwickeln und dazu aufgrund ihrer bisherigen (Lern-)Erfahrungen auch in der Lage sind, und denen, die dabei erst einmal außen bleiben. Daraus kann eine gefährliche Spaltung entstehen, die gesellschaftliche Verwerfungen mit sich bringt.

Soziale Innovationen brauchen Ich-Stärke. Die alten Institutionen, wie wir sie bislang kennen - vom patriarchal-sorgenden Unternehmen über die Kirche bis zur traditionellen Arbeitnehmervertretung - können künftig nicht mehr allein den Rahmen bilden, für alle zu sorgen und verschiedenste Bedürfnisse und Lebensformen anzusprechen. Alternativ entstehen hier gerade eine Menge soziale Innovationen, neue "Wir-Kulturen". Diese neuen "Wir-Formen" sind, im Gegensatz zu traditionellen, voraussetzungsvoll: Sie brauchen den Einzelnen mit viel Ich-Stärke und die Fähigkeit zur Selbstorganisation. Es gibt kein Zurück in eine paternalistische Verwaltungskultur, gerade deshalb braucht es eine Kultur der Selbstverantwortung (nicht zu verwechseln mit einer Kultur des Einzelkämpfers). Freiheit und Selbstverantwortung sind attraktive Ziele. Das zu leben, lässt sich lernen. Dafür braucht es jedoch auch Begleiter auf Augenhöhe. Denn: Wir müssen uns auch um die Angst der Menschen kümmern.

Die Zukunft ist relativ. Um auf schwankendem Boden weiterzugehen, braucht es die Auseinandersetzung mit dem Nicht-Wissen. Und einen starken inneren Kern. Man könnte auch sagen: Mut.

Viele Inspirationen, viel Stoff zum Weiterdenken - und mehr als ein Grund, die Salontalks fortzusetzen. Danke, liebe Kirsten Brühl - Danke an alle Gäste für einen wunderbaren Abend!

 

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