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19. Juni 2019

Abends in der Manufaktur | Thomas Jensen

Thomas Jensen_Teaser

Ich bin mal wieder an einem Lieblingsort – der „Möbel- und Suppenmanufaktur“ in St. Peter Ording zum „Abend in der Manufaktur“ von Inga Wiele (gezeitenraum) und Hagen Götz. Ein besonderes Gespräch, auf das ich mich schon lange freue: mit dem Gründer des Wacken Open Air, Thomas Jensen.

Was mit dem Wunsch anfing, eine „geile Rockparty“ zu organisieren und vor 30 Jahren mit 800 Besuchern begann, zieht als Wacken Open Air heute knapp 80.000 Metal-Begeisterte über den Nord-Ostsee-Kanal. Thomas Jensen ist einer der beiden Gründer, stammt aus der Gegend von Wacken, und hat in diesem Jahr den Live Entertainment Award für sein Lebenswerk bekommen.

Kann er mit dem Begriff Lebenswerk eigentlich etwas anfangen? Thomas ist voller mitreißender Geschichten und Anekdoten rund um die zurückliegenden 30 Jahre Wacken. Geschichten rund um seine eigene frühere, und mäßig erfolgreiche, Band. Musiker, die im Laufe der Zeit zu Freunden geworden sind, fast geplatzte Konzerte, Lemmy und seine „Daddelautomaten“, die er immer dabei hatte, um nicht so viel mit anderen reden zu müssen. Frühe Verhandlungen über Bierzeltgarnituren – und Zauberer, die er lieber nicht in Wacken gehabt hätte… Es sei wohl auch eine Mischung aus Glück und Naivität gewesen, dass Wacken so groß geworden sei und so lange überlebt habe. Denn tatsächlich war es auch manchmal ein Überleben. Aber trotz Konkurs und anderer schwieriger Zeiten sei Aufhören niemals eine Option gewesen.

Und so kommt zu dem Glück und der Naivität aus meiner Sicht irgendwie auch eine gewisse Bescheidenheit und Demut. Denn, da war auch immer Unterstützung durch das Dorf, die Fans. Sie haben viele Fehler und Experimente verziehen, sagt Thomas. Und Experimente gab es viele – nicht immer waren sich die Gründer dabei einig. Sicherlich war es dabei auch ein Vorteil, aus der Gegend zu sein, die Menschen zu überzeugen, sich jedes Jahr wieder auf diesen Ausnahmezustand einzulassen, Teil von dieser Energie zu sein.

Eigentlich liegt es Thomas aber nicht so sehr, zurückzublicken. Er hat immer wieder neue Ideen, ringt mit seinem Team und all den Strukturen, die es braucht, damit es auch nach 30 Jahren immer weiter geht und immer wieder Neues hinzukommt. Da kann es auch mal laut werden. Er sei schwierig als Chef. Das glaube ich sofort und bin gleichzeitig gepackt von so viel Kraft, Energie und unternehmerischer Leidenschaft. Den Nachwuchs fördern ist ihm ein wichtiges Thema. Deshalb werden mit dem „Metal Battle“ jährlich die „Legenden von morgen“ gesucht. Und: Wacken soll nachhaltiger werden – „Metal 4 Nature“ also. Für all diese Vorhaben muss das Team immer wieder zusammengehalten werden, dafür wird gekämpft und gestritten, um schließlich wieder in der gemeinsamen Leidenschaft für das Festival, für die Musik, zusammenzufinden. Aber klar: Neue Ideen sechs Wochen vor dem Festival sind nicht bei allen beliebt.

Das Rauchen hat er aufgehört, vier Schachteln waren doch ein bisschen viel. Er hat zwei kleine Töchter – vor unserem Gespräch musste er noch Gurkenschnippeln für ein Nachtessen in der Schule. Das erdet. Musikalisch entspannt er zurzeit am besten bei Neil Young – und wenn’s beim Festival musikalisch mal emotional wird, dann setzt er die Sonnenbrille auf.

Fazit: Eigentlich hat Thomas Jensen keine meiner Fragen wirklich beantwortet. Ich war einfach Teil dieses Strudels. Das war toll und ein Lehrstück an unternehmerischer Leidenschaft – mit allen Ecken und Kanten, die das mit sich bringt. Danke, lieber Thomas, für dieses wundervolle Gespräch! Und: Hagen und Inga für den tollen Abend bei Euch!

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